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Burma buchen oder boykottieren?

Dass Burma-Reisende an den Pagoden in Rangun und Mandalay von Mönchen angesprochen werden, geschieht in diesen Wochen oft. Denn die Männer in den rostbraunen Kutten interessiert brennend, was das Ausland über ihre vorerst gescheiterte Rebellion denkt und wie die Welt reagiert.

 

In Burma weiß die Bevölkerung davon so gut wie nichts: Die der Zensur unterworfenen Medien bringen nur schönfärberische und nichts sagende Verlautbarungen des Militärregimes, ausländische Fernsehsender sind allenfalls in den großen Hotels zu empfangen, haben zudem ihre Burma-Berichterstattung nahezu eingestellt. E-Mails und Internet funktionieren zwar, werden aber zweifellos überwacht - wer von einem Hotel-PC aus ein ausländisches Medienportal aufsucht, muss lange Antwortzeiten hinnehmen, wer in eine Suchmaschine „Myanmar” eingibt, könnte einen Systemabsturz erleben.

 

Wer in diesen Wochen durch das ärmste Land Asiens reist, begegnet wenigen Touristengruppen, aber einer wissbegierigen Bevölkerung, der Besucher herzlich willkommen sind. Sanktionen und Boykott-Aufrufe haben den Burma-Tourismus getroffen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch etwa fordert von in Burma tätig werdenden Unternehmen den Nachweis, dass durch ihre Geschäfte keine Menschenrechte verletzt werden. Exil-burmesische Gruppen rufen lautstark zum touristischen Boykott auf: Tourismus, der der breiten Bevölkerung zugute komme, könne es in Burma erst geben, wenn die Menschen frei am Geschäft partizipieren und die Entwicklung mitbestimmen können - wenn demokratische Verhältnisse herrschen.

 

Zwar ist nicht einmal annähernd nachweisbar, dass und wie Sanktionen die seit 45 Jahren regierenden Militärs treffen. Unübersehbar ist jedoch, dass an touristischen Schwerpunkten wie dem Inle-See und der Region Bagan vor allem Kleingewerbe und Bevölkerung leiden. Hotels, Restaurants und Busbetriebe beschäftigen weniger Personal, und die Einnahmen der bettelarmen Seidenweber, Holzschnitzer, Kunstschmiede, Zigarrendreher und Souvenirhändler sind drastisch zurückgegangen. Die Folge: Die Aufdringlichkeit von „Verkäufern” grenzt an Bettelei.

 

Geführte Gruppenreisen sind in Burma seit Mitte Oktober 2007 wieder möglich. Wer per Mietwagen durchs Land reisen will, was wegen der miserablen Straßenverhältnisse nicht ratsam ist, muss für die gesamte Reise einen Begleiter akzeptieren - und für ihn bezahlen.

 

Politisch herrscht Stillstand im Lande. Alle Gespräche zwischen Militär und Opposition blieben bisher ebenso ohne reale Ergebnisse wie die Visiten von Uno-Beauftragten. Die Benzinpreiserhöhung um 100 Prozent - Auslöser der Proteste im Spätsommer - hat die Regierung zum Teil zurückgenommen, doch der Energiemangel hat Burma fest im Griff. Ohne besondere Bezugsberechtigung ist Kraftstoff an städtischen Tankstellen kaum erhältlich. Auf dem Land wird Diesel am Straßenrand und auf Märkten aus Fässern in Literflaschen umgefüllt.

 

Obwohl Burma seinen Erdölbedarf vollständig aus eigenen Vorkommen decken könnte, muss es rund die Hälfte des benötigten Öls auf dem Weltmarkt zu Barrel-Preisen um 100 Dollar kaufen. Denn der mächtige Nachbar China pocht auf langfristige Verträge, die ihm als Gegenleistung für den Bau einer Raffinerie Öllieferungen zu 23 Dollar pro Barrel garantieren. Daran können keine Sanktionen etwas ändern, ebenso wenig an der Vetternwirtschaft und den Schwarzmarktgeschäften, bei denen Jade, Edelsteine und Teakholz im großen Stil und mit Wissen der Militärs ins Ausland verschoben werden.

 

Es muss jeder, der in dieses landschaftlich wie kulturell so wunderbare Land reisen will, mit sich selbst ausmachen, ob er Burma boykottieren oder buchen will.

 

29. Februar 2008, Erich Hartmann

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