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Arbeitslosigkeit, Job und Berufung





Arbeit - eine Plage?

Aus meiner Schulzeit hat mich ein ganz bestimmtes Thema eines Aufsatzes nachhaltig beeinflusst.

 

Unser Deutschlehrer wollte der aufsässigen Gymnasialklasse ("Lieber einen Sack Flöhe hüten!" war sein Spruch) ein wichtiges Thema für das spätere Berufsleben näher bringen.

 

Das Aufsatzthema hieß:

 

"Job oder Beruf – Vor- und Nachteile der modernen Arbeitswelt"

 

2 Unterrichtsstunden Zeit, ab jetzt läuft die Uhr!

 

Wie wir es gelernt hatten, ging ich an die Stoffsammlung und die Erstellung einer Gliederung.

 

Job, das war eine ausschließlich für den Gelderwerb ausgeübte Betätigung gleich welcher Art, wichtig war nur, das meiste Geld zu bekommen.

 

Beruf hingegen hieß, die den persönlichen Anlagen und Bedürfnissen entsprechende Arbeit gefunden zu haben, die neben der Bezahlung ein Gefühl der Befriedigung vermittelte. Den „Ruf“ zum richtigen Beruf intuitiv gehört und verstanden zu haben, das war Berufung.

Dann war Arbeit keine Arbeit mehr, sondern vermittelte Spaß beim Erreichen eines Zieles. Andererseits konnte ein Mißerfolg keine Zweifel säen, denn die Berufung zur ausgeübten Tätigkeit vermittelte den Sinn der Arbeit.

"Was ich mache, ist sinnvoll und führt meine Arbeit zum Erfolg."

 

Daß die moderne Arbeitswelt aus der Berufung eines Lebens einen simplen Gelderwerb gemacht hat, ist die täglich erlebte Wirklichkeit. Neue, früher ungekannte Krankheiten wie das „Burned-Out-Syndrom“ die zwangsläufige Folge.

 

Eine Arbeit, ein Job, der mich nicht ausfüllt und den ich nur wegen der „Kohle“ mache, führt zum innerlichen wie äußerlichen Ausgebranntsein.

 

Nicht umsonst gebraucht die deutsche Sprache für "Job" das englische Fremdwort, da es eine rein deutschsprachige Entsprechung nicht gibt.

 

Noch schlimmer: keine Arbeit zu haben. Arbeitslos zu sein vermittelt ein Gefühl, das eigene Leben sei sinnlos. Wer in solcher Situation sich nicht selbst wie sprichwörtlich Münchhausen am eigenen Haarschopf aus dem Sumpfe herauszieht, kann im wahrsten Sinne des Wortes ganz schnell versumpfen.

 

Mir persönlich hat das Schreiben in mißlichen Lagen immer geholfen. Das geschriebene Wort verpflichtet einen zur Wahrheit und Klarheit.

 

Also ergibt sich aus der schriftlich formulierten Frage:

 

"Wie entkomme ich dem Sumpf der Arbeitslosigkeit?"

 

die Antwort:

 

"Was kann ich?" und "Wie und wo setze ich meine Kenntnisse für mich und meine Umwelt am gewinnbringendsten ein?".

 

Ich war Zeit meines Lebens selbständig und stets bin ich einem Leitspruch gefolgt:

 

"Tue, was Du tust, weil Du es tun kannst und willst!"

 

Das war meine persönliche Deutung des Wortes Be-ruf-ung.

 

Im Gegenteil zum Geld-Job kann eine Arbeit, zu der ich mich berufen fühle, die mir sinnvoll erscheint und die ich gerne verrichte, weil sie meine ganz persönlichen Fähigkeiten in Anspruch nimmt, eine solche Arbeit kann gar nicht krank machen.

 

"Den richtigen Beruf heute zu finden", schrieb der halbwüchsige Gymnasiast, der damals keinen blassen Schimmer hatte, was in seinem Leben an Jobs und Berufen noch auf ihn zukommen sollten, "ist aufgrund der Teilung der modernen Arbeitswelt in sinnentleerte Einzelphasen eine wichtige Lebensaufgabe, die - nur an den persönlichen Fähigkeiten ausgerichtet - entschieden werden darf."

 

Auf einer meiner Websites, dem Bergschreiber, schreibe ich neben anderen Themen über einzelne Tätigkeiten - Bergadern genannt -, die ich selbst ausgeübt habe.

 

Zum Gelderwerb, aus Berufung.

 

Wie man wurde, was man ist.

 

Schreiben als Lebens(be)Ruf.

 

Schreiben als Spiegel.

 

 

 

24. Juni 2007, Sigmund Haider

 

 





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