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Zoon Politikon oder heiligt der Zweck jedes Mittel?





Auf dem Weg

Was ist das Ziel eines Bergsteigers?

 

Der Gipfel.

 

Über das Erreichen eines GipfelZieles, vor allem wie man dort anlangt, haben sich bekannte und berühmte Bergsteiger schon viele Gedanken gemacht.

 

So ist aus den Alpen aus den Anfängen des Sport-Bergsteigens als „playground of Europe“ die „Eroberung des Unnützen“ bis zum heutigentags gültigen „by fair means“ geworden. Die Besteigung eines Berges mit angemessenen Mitteln, aus eigener Körperkraft.

 

Der Unterschied ist gravierend. Wer einen Berg schon einmal mühelos mit Seilbahnunterstützung „bezwungen“ hat, merkt die fehlende Intensität des Erlebnisses.

 

Die Intensität, die einem nur ein beschwerlicher Anstieg schenken kann. Das Empfinden und die Freude darüber, der Schwerkraft und dem inneren Schweinehund, der ja bekanntlich die gemütliche Sofaecke zu Hause dem stundenlangen Bergaufsteigen vorzieht, ein Schnippchen geschlagen zu haben, ist mit keinem Seilbahn-Erlebnis zu vergleichen.

 

Nicht umsonst sieht und hört man die mit der Seilbahn herauftransportierten Bewohner flacherer Landstriche nach wie vor mit den alltäglichen Dingen „von unten“ beschäftigt: Was Tante Erna daheim macht? Wie hoch der Rasen zu Hause schon gewachsen sein mag? Ob der heimische Kegelclub ohne die höchsteigene Verstärkung das Sommerloch überlebt! Kennst Du den Witz schon? Haben die Kinder in ihrem Spanienurlaub wohl auch so schönes Wetter? Wir müssen von hier oben noch eine Postkarte kaufen. Haben die auch Briefmarken? Und wie heißt eigentlich der Berg, auf wir hier sind? Et cetera punkt punkt

 

War es das, was Aristoteles mit seinem Zoon Politikon, als der Selbstverwirklichung des Menschen in sittlich gutem Leben in einer Gemeinschaft beschreiben wollte?

 

Der Bergschreiber ist der Meinung, daß unser heutiges sittlich gutes Leben in einer überwältigenden Flut von Eindrücken aus Medien, Politik und Lobbyismus austauschbar geworden ist wie die Eindrücke des heutigen Zoon Politikon vom Leben selbst.

 

Warum würden sonst die Gondel-Touristen mit einer doch sehr teuer bezahlten Karte für eine Seilbahnauffahrt über ihre normalen, kleinen Alltagssörgelchen lautstark schwadronieren?

 

Lauthals Schwadronieren im Angesicht der erhebenden, zumindest zum Staunen, zum ErStaunen mahnenden Naturschönheit der Bergwelt.

 

Warum sind die Leute da hinauf gefahren, wenn sie die Welt dort oben gar nicht wahrnehmen? Wie ist es da um Wahrnehmung des eigenen Lebens, des Lebens der Mitmenschen, ja um die Wahrnehmung des demokratischen Staatengebildes bestellt?

 

Das Telos, sagt Aristoteles, ist das jedem Ding und jedem Menschen innewohnende Zielstreben, das zu seiner Vervollkommnung in einer Gemeinschaft, ein einem Staatenverbund drängt.

 

Der Bergschreiber ist der Meinung, daß es sich nach über 2000 Jahren immer noch lohnt, über den Menschen als Zoon Politikon, das „gesellige Lebewesen“, nachzudenken.

 

Das gelingt am besten und wäre den heutigen geselligen Lebewesen am förderlichsten ... auf einem Berggipfel, mit eigener Körperkraft erstiegen, um sich ein überwältigendes Berganorama und ein Weile ohne ein Wort zu wechseln, in Stille, einfach den lauten Schnabel halten.

 

Da tankt die Seele Kraft, das Erlebnis wird bleibend, unaustauschbar und setzt so die Ursache, weitere bleibende Erlebnisse erleben zu wollen. Man wird erlebnishungrig nach Bleibendem, Wesentlichem.

 

Zielsetzung und Zielfindung aus der Antike sind heute noch aktuell, meint der Bergschreiber. Und nicht jeder Zweck heiligt jedes Mittel.

 

 

19. Juli 2007, Sigmund Haider

 

 




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